Der Tschingelsee verabschiedet sich

Hinter der Chanzel erheben sich Wild und Zahm Andrist.

Kiental - Spiggegrund - Aabeberg - Tschingelsee - Kiental

Bergseen wirken zeitlos. Doch manche von ihnen kommen und gehen. 1972 ist im Kiental nach einem Unwetter der Tschingelsee entstanden. Mittlerweile ist er fast völlig verlandet. Besonders eindrücklich erkennt man die Entwicklung vom nahen Aabeberg aus. Den prachtvollen Aussichtspunkt liegt an einer abwechslungsreichen Rundwanderung mit Ausgangspunkt im Dörfchen Kiental. Kurze Abschnitte auf Hartbelag, überwiegend aber Naturwege.

An den 18. Juli 1972 erinnert man sich im Kiental noch heute. Nach einem schweren Hagelwetter verschüttete ein Murgang am Ärmighorn die Tschingelalp meterhoch. Dahinter stauten sich die Bergbäche über Nacht zu einem See. Anwohner, Bauern und ihre Milchkannen mussten mit Pontons der Armee über das Wasser gesetzt werden. Später wurden die in den Fluten verschwundene Strasse und der Wanderweg an den Hang verlegt. Mit dem Tschingelsee, wie er schon bald genannt wurde, entstand eine reizvolle Landschaft. Das Deltagebiet des Gornerebachs bot Wasservögeln Zuflucht; eine ungewöhnliche Flora siedelte sich an. Seit 1987 steht das Gebiet unter Naturschutz.

Das kleine Paradies weist allerdings eine beschränkte Haltbarkeit auf. Aufgrund des Rückzugs des Gamchigletschers führt der Gornerebach seit Jahren sehr viel Geschiebe mit sich. Der Tschingelsee ist mittlerweile weitgehend verlandet. Zwischen breiten Kies- und Sandbänken mäandern mehrere Wasserarme. Das bietet einen ausgesprochen reizvollen Anblick. Von einem See zu sprechen, erscheint allerdings zunehmend fraglich.

Von der Postauto-Haltestelle Kiental/Ramslauenen steigt man einige Schritte hangwärts zum Bergwanderweg Richtung Spiggegrund. Dieser führt anfänglich ohne nennenswerte Steigung taleinwärts. Im Wald verengt sich die Route zum Fusspfad und beginnt zu steigen, doch nach Überwindung des Engpasses am Eingang zum Tal des Spiggebachs geht es schon wieder gemütlich weiter. Über Alpweiden folgt man dem Wildbach auf teilweise wegloser Route. Nach einer Weile wird auf die andere Seite des Wasserlaufs gewechselt. Ein Kiessträsschen führt dort in mehreren Kehren zum Schwand hinauf, danach geht es auf zunehmend steilem Bergweg an der Mittelberg-Hütte der Alp Margoffel zur Chanzel hinauf. Durch ein felsiges, aber problemlos begehbares Couloir erreicht man die Alphütte Abendberg.

Der eigentliche Aabeberg ist eine grasüberwachsene Kuppe etwas weiter westlich. Dort geniesst man ein herrliches Panorama: Das ganze Kiental liegt einem zu Füssen, im Hintergrund erkennt man den Niesen, im Süden zeigt sich die Blüemlisalpgruppe in voller Pracht. In der Tiefe erblickt man die spärlichen Reste des Tschingelsees.

Ein schmaler Pfad führt vom Aabeberg auf der Krete Richtung Golderehorn, zweigt etwa auf halbem Weg zwischen den beiden Gipfeln südlich ab und verläuft im Zickzack steil ins Tal hinunter. Zwischendurch verläuft der Abstieg auf einem Kiessträsschen, dann wieder auf abschüssigem Fussweg. Beim Parkplatz am unteren Ende des Tschingelsees wird der Golderebach überquert. Auf dem gut ausgebauten Talweg gelangt man dem Wildwasser entlang zum Gasthof Alpenruh und von dort weiter talauswärts zurück zum Ausgangspunkt Kiental.

Marschzeit 6 h 10 min

Streckenlänge 15,2 km

Aufstieg 1050 m

Abstieg 1050 m

Ideale Saison Mitte Mai bis Ende Oktober

Region Frutigland

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